"Endstation Spandau ..."

... bezieht sich hier nicht auf den Berliner ÖPNV, sondern auf das Ausscheiden im Viertelfinale der Berliner Pokal-Mannschaftsmeisterschaft gegen den dort ansässigen Verein Zitadelle.


Autor: Cord Wischhöfer


Am Sonntag, 22.05.2016, stand für die Weisse Dame das Viertelfinale der Berliner Pokalmannschaftsmeisterschaft an. Im Haus des Sports, dem Spielort des Schachclubs Kreuzberg, durften wir gegen Zitadelle Spandau antreten. Unser Gegner hatte mit Thomas Kohler, Marko Perestjuk, Patrick Böttcher und Carsten Schirrmacher eine sehr gute Mannschaft aufgeboten, die an drei Brettern deutlich bessere DWZ-Zahlen aufweisen konnte, als unsere Truppe. Aber auch wir waren mit drei Spielern der (Ex?-) Oberligamannschaft, Kai-Gerrit Venske, Franko Mahn, Cord Wischhöfer und „Mr. Einhundert Prozent im Pokal“, Thomas Heerde, angereist. Somit kam es zu folgenden Paarungen:

Venske (2121) - Kohler (2117)
Perestjuk (2171) - Wischhöfer (2029)
Böttcher (2081) - Mahn (2044)
Heerde (1962) - Schirrmacher (2063)

Kurz nach 10:00 Uhr waren die Aufstellungen abgegeben, alle Spieler der Begegnung anwesend und die Bretter vom Turnierleiter vor Ort, Felix Nötzel frei gegeben.

Kai-Gerrit und Thomas Kohler spielten eine Nebenvariante des Max-Lange-Angriffs (Anti-Max-Lange), in der sich Kai-Gerrit gut auskennt. Thomas Kohler verbrauchte schnell viel Bedenkzeit und wich von den bekannteren Wegen der Eröffnung ab. Kai-Gerrit hatte die Stellung gut im Griff und stand schnell besser in einer Stellung mit eigener Initiative und Aussichten auf Angriff.

Marko Perestjuk und ich übten gängige Stellungsbilder einer französischen Tarraschverteidigung mit c5. Ich hatte schnell den üblichen Isolani auf d5 und Marko spielte konsequenter als ich auf die Verwertung seines leichten positionellen Vorteils, der u.a. darauf beruhte, dass er die e-Linie beherrschte und einige Felderschwächen in meiner Stellung existierten. Ich musste mich also meiner Haut erwehren.

Auch bei Patrick Böttcher und Franko stand ein Franzose auf dem Brett. Es war eine Winawervariante mit 5.Ld2 cd4: 6. Sb5 worauf Franko das unorthodoxe 6. …Lf8 auspackte. Danach entwickelte sich eine typische Französischstellung mit gegensätzlichen Rochaden. Weiß lang, Schwarz, kurz. Die Pläne sind bekannt. Weiß nutzt das Feld d4 als Operationsbasis für seine Springer und versucht den Hebel f5 anzusetzen. Schwarz versucht mit seinem a- und b-Bauern die weiße Königsfestung aufzuhebeln und Linien zu öffnen.

Thomas hatte gegen Carsten Schirrmacher in einer seiner gängigen halbgeschlossenen Stellungen englischen oder Königsindisch-im-Anzug-artigen-Charakters relativ schnell Vorteil herausgespielt, den er in entscheidenden Materialgewinn (ein ganzer Turm) umsetzte und SF Schirrmacher bald den ganzen Punkt abnahm. 1:0 für WeDa!

Franko hatte für seine Stellung, die in meinen (in der Französischen Verteidigung ja nicht ganz ungeübten) Augen gar nicht so schlecht aussah, viel Zeit verbraucht und wurde dann in hoher Zeitnot leider von Patrick überspielt. Kann passieren. Zwischenstand 1:1

Ich selbst hatte meine langsam schlechter werdende Stellung gegen den SF Perestjuk ohne Materialverlust in die Zeitnotphase gerettet. Dort fand Marko vermutlich nicht immer die besten Fortsetzungen, sodass wir uns nach einigen Irrungen und Wirrungen in einem ausgeglichenen Schwerfigurenendspiel mit je einer Dame, einem Turm und vier Bauern wiederbefanden. Da auch wir beide gegensätzlich rochiert hatten und die Königssicherheit bei weiteren Spielöffnungen beiderseits leiden würde, beschlossen wir die Partie im 41. Zug friedlich. Zwischenstand 1,5:1,5.

Kai-Gerrit hatte zwischenzeitlich seinen in der Eröffnung geopferten Bauern zurückgewonnen und noch einen weiteren eingesackt. Dies führte jedoch zu einer Öffnung der Königsflügellinien vor seinem König. Thomas Kohler bekam dadurch Druckspiel und Kai-Gerrit musste sich verteidigen, was nicht ganz einfach erschien, weil er seine Dame und seinen Damenturm nicht gut aktivieren konnte. Irgendwann gab es dann leider eine Springergabel auf Turm und Dame von Kai-Gerrit. Die resultierende Stellung war zwar möglicher Weise noch weiterspielbar, weil der weiße Springer den Schwarzen hätte ärgern können, aber wahrscheinlich verloren für Weiß. Thomas Kohler bot jedoch remis, was Kai-Gerrit natürlich annahm. 2:2

Damit war der Sieg nach Berliner Wertung für Zitadelle klar. Leider waren wir trotz eines vollen Punkts unseres Mr.-100% Thomas (3 aus 3 im Pokal 2016) ausgeschieden. Aber immerhin hatten wir uns ein Unentschieden erkämpft, was angesichts unseres teilweise hohen DWZ-Nachteils dann doch noch ganz in Ordnung erschien.

Die Ergebnisse in der Übersicht:
Venske - Kohler: remis
Perestjuk - Wischhöfer: remis
Böttcher - Mahn: 1:0
Heerde - Schirrmacher: 1:0

Damit ist der Mannschaftspokal 2016 für die Weisse Dame vorüber. Nächstes Jahr gibt es eine neue Chance für uns. Wir wünschen Zita im Halbfinale viel Erfolg!


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