"Hinter den Bergen …"

… nicht bei den sieben Zwergen, sondern nach der Grenze rechts, geht es von Mittenwald aus nach Tirol ins Leutaschtal. Ein Turnierbericht von Manfred Lenhardt zum 33. Internationalen Mannschaftsschnellschach-Turnier.


Autor: Manfred Lenhardt


Hinter den Bergen…

Ein Turnierbericht von Manfred Lenhardt

nicht bei den sieben Zwergen, sondern nach der Grenze rechts, geht es von Mittenwald (Bayern) aus nach Tirol ins Leutaschtal. Die kleine Gemeinde Leutasch liegt in der Olympiaregion Seefeld nahe Innsbruck und über Pfingsten wurde hier - im Rücken der Zugspitze - zum 33. Mal das Internationale Mannschaftsschnellschach-Turnier ausgetragen.

Gespielt wird mit Vierermannschaften, mit Vor- und Endrunde, wobei allein die Brettpunkte zählen. Viele Teams nutzen einen Phantasienamen, so zum Beispiel in der Finalgruppe A die Mannschaften "Doff Schnoff" und "Die Bauernfänger". Bei den 51 Mannschaften waren 4 GMs dabei (Bromberger, Stangl, Enders und Vater Pähtz) sowie 14 IMs. Die Bedenkzeit beträgt 10 Minuten. Bei uns wäre das also ein klassisches Langsamblitzturnier. Gespielt wird jeweils an einem halben Tag, so dass genügend Freizeit bleibt für Wandern, Schwimmen, Angeln, Shoppen in Seefeld oder Innsbruck und was es sonst noch so gibt. Viele Spieler reisen daher mit Familie an.


Wie kommt nun der Kollege Manfred zu so einem Turnier? Natürlich mit der Bahn …

... Spaß beiseite: in den 80er und 90er Jahren spielte ich bei dem Turnier regelmäßig mit meinem Heimatverein, der TG Biberach, mit. Dann geriet das Turnier bei meinen Kollegen etwas in Vergessenheit, und mich verschlug es beruflich nach Wien und Berlin. Vor ein paar Jahren wurde das Turnier dann von meinen Kollegen wieder entdeckt. Letztes Jahr scheute ich noch den Aufwand für die Anreise, aber dieses Mal ließ ich mich "breit schlagen".

Am Freitag ging es um 06:27 Uhr los mit dem ICE nach München. Lesen, Dösen, Essen, etwas Arbeiten, im Internet nach Schach-Seiten suchen - die Zeit verging im Flug. Dann Umsteigen in München und das letzte Stück durch die reizvolle Landschaft der Voralpen und Alpen. Um 16 Uhr traf ich in Seefeld ein. Meine Kollegen hatten ein Super-Hotel ausgesucht. In der Nebensaison ist das Preis-Leistungsverhältnis extrem gut.

Als Nicht-Blitz-Spezialist sollte ich die 2. Mannschaft an Brett 4 auffüllen. Die ehrgeizigen Jüngeren bildeten die 1. Mannschaft (André Fischer, Oliver Weiß, Andreas Schulze, Stan Sokratov) und die nicht minder ehrgeizigen Junggebliebenen die 2.Mannschaft (Albrecht Weidel, Holger Namyslo, Rainer Birkenmaier, Manfred Lenhardt). Biberach spielt übrigens in der Oberliga Württemberg und aus der Oberliga bin ich ja gerade mit unserer ERSTEN abgestiegen. Ich würde mich also ranhalten müssen, um nicht aufzufallen.


Foto: André Fischer (TG Biberach 1) - Die TG Biberach 2 konzentriert und in Aktion: von links: Weidel, Namyslo, Birkenmaier, Lenhardt


Insgeheim hoffte ich zudem auf ein Weisse-Dame-Treffen im fernen Tirol. In den letzten Jahren war gelegentlich unser Mitglied Kay Hansen mit seinem Wiener Verein "Donaustadt" dabei. Doch es sollte nicht sein.

Um 19 Uhr hatte Turnierorganisator Bernhard Jehle (Firma ChessWare, SV Jedesheim) zur Turniereröffnung und einem Sektempfang ins Casino Seefeld geladen. Die Freude war groß, viele bekannte Gesichter aus Oberschwaben wiederzusehen. Für die Turnierteilnehmer veranstaltete das Casino ein 5-rundiges Roulette-Turnier (mit Spielgeld) und stiftete für die Sieger ein paar Flaschen Sekt und einige Sachpreise. Meine Kollegen Weiß, Fischer und Namyslo räumten ab und belegten die Plätze 1, 4 und 6.


Foto: ChessBase / IS Gerhard Bertagnolli - Kollege Manfred überwacht den korrekten Ablauf der Preisvergabe. (CG)


Am Samstag hieß es dann: früh raus, frühstücken und die kurze Autofahrt von Seefeld nach Leutasch. Wir waren für die Vorrunde am Vormittag eingeteilt, die um 08:30 Uhr startete. Platz 5 oder 6 und damit die Finalrunde B war das realistische Ziel.

Doch es lief ausgesprochen gut. Gegen Forchheim und Ulm (beide Ex-2.-Bundesliga) konnten wir zwei Siege einfahren und gegen Prag ein 2:2, so dass wir uns in der Endabrechnung sogar für die Finalrunde A qualifizierten.

Auch bei mir lief es ausgesprochen gut. Ich fand die richtige Balance zwischen "Gründlich überlegen" und "Nicht-zu-lange-reinschauen" und holte 9 (12). Bei einem ELO-Schnitt von 1920 an Brett 4 war dies in etwa das zu erwartende Ergebnis, wobei 3 Spieler unter 1700 den Schnitt doch etwas drückten. Insbesondere gegen Forchheim und Ulm konnte ich gewinnen. Lediglich gegen Erfurt 2 war ich chancenlos. Dazu kam eine versemmelte Partie, bei der ich – anstatt in ein Endspiel mit 2 Mehrbauern abzuwickeln – mich 2-zügig mattsetzen ließ.

Nach der Vorrunde ging es zum Essen, zum Letzten-Bundesliga-Spieltag-Gucken und für einige ins Casino. Unserer Wanderer Albrecht legte die ca. 8 km von Leutasch nach Seefeld zu Fuß zurück.


Am Sonntag konnten wir etwas länger schlafen und frühstückten ausgiebig, denn die Finalrunde A begann um 15 Uhr. Kollege Albrecht lief sich warm und war wieder zu Fuß unterwegs.

In der Finalrunde A war Biberach 2 mit einem ELO-Schnitt von 2141 die schlechteste Mannschaft. Doch wir legten los wie die Feuerwehr und waren nach 4 Runden sogar Tabellenführer. Wir rutschten dann nach hinten, aber Platz 10 am Ende war überragend. Zudem hatten wir Biberach 1 und die Oberschwaben-Kollegen aus Ulm und Langenau hinter uns gelassen.

Mit 4,5 (13) holte ich bei einem Gegnerschnitt von 2200 einen Punkt unter der Erwartung und war nicht ganz zufrieden. Mit 2,5 (4) startete ich gut und ohne Niederlage, doch dann ging das Gefühl für die Zeiteinteilung verloren. Entweder überlegte ich zu lange oder ich spielte zu schnell und stellte was ein. Sechs verlorene Partien hintereinander waren die Folge: 0-0-0-0-0-0 = 2x lang rochiert. In den letzten 3 Runden war – warum auch immer – die optimale Konzentration wieder zurück. Ausgerechnet gegen die 3 Siegerteams konnte ich 1x gewinnen (Doff Schnoff) und 2x Unentschieden spielen (gegen die Erfurter IMs Troyke und Brüggemann).

 

Rangliste: Stand nach der 13. Runde

Rang

Mannschaft

ELO

Brettpunkte

1.

Doff Schnoff

2347

35.0

2.

Erfurt 1

2384

34.5

2.

Erfurt 2

2357

34.5

4.

Die Bauernfänger

2323

33.0

5.

Schenkbach 2

2203

28.5

6.

Die Groben 1

2274

27.5

7.

Schenkbach 1

2317

27.5

8.

Haching Blue

2246

24.0

9.

Obern-Moos

2286

23.0

10.

TG Biberach 2

2141

22.5

11.

TG Biberach 1

2231

21.5

12.

Langenau 1

2155

18.5

13.

Pankrac Prague

2216

18.0

14.

Post SV Ulm

2176

16.0


Wie man an der Tabelle sehen kann, war die Entscheidung um den Turniersieg extrem knapp. Doff Schnoff sind Spieler aus der Steiermark um IM Schreiner und IM Diermair. Die Erfurter sind sicherlich bekannt; die GMs wurden schon vorne genannt. Die Bauernfänger sind eine Münchener Auswahl um die GMs Bromberger und Stangl.

Nach der Siegerehrung ging es um 21 Uhr noch ins Restaurant. Danach war Bettruhe oder was anderes angesagt.

Am Pfingst-Montag verabschiedete ich mich nach dem Frühstück von den Biberacher Kollegen. Mit der Bahn ging es zurück nach Berlin.

Fazit: ein schönes Turnier in schöner Umgebung, mit netten Kollegen und viele Bekannte wiedergesehen. Das hat schon was. Kein Wunder, dass so Viele wiederkommen und das Turnier bereits in 33. Auflage stattfand.

Pfingsten 2017: Habe ich da schon was vor…?

 

Links: Ergebnistabellen beim SV Jedesheim - Bericht bei ChessBase



Kontakt/Impressum

administration