"37. WEISSE-DAME-Open - Runde 6"

Drei von vier Partien auf der B├╝hne wurden entschieden. Der Topfavorit IM Ulf von Herman geht mit einem halben Punkt Vorsprung in die Schlussrunde.


Autor: Torsten Meyer



In der 6. Runde des 37. WeDa-Opens war die Spannung um den Turniersieg greifbar. Deutlich wird dies vor allem durch die Ergebnisse auf der Bühne, wo die vier Spitzenbretter ausgetragen werden. Hier war drei mal ein Schwarzsieg zu verzeichnen!

Während in der Partie Erwin Weber gegen Patrick Böttcher noch recht undramatisch in unter 20 Zügen die Punkteteilung besiegelt wurde, kam der Topfavorit IM Ulf von Herman am Spitzenbrett als erster Bühnenspieler zum vollen Punkt. In seiner Partie gegen den bisher Führenden Dr. Matthias Budt kam ein abgelehntes Damengambit auf’s Brett, Ulf konnte hier, trotz anfänglichen Raummangels, insofern Vorteile verzeichnen, als Matthias einen Isolani auf d4 zu verwalten hatte und sich schnell mehrere Figuren abtauschten. Allerdings war es ein taktisches Versehen von Matthias, das schlussendlich die Partie zugunsten von Ulf entschied.

Deutlich mehr Arbeit hatte Dr. Heinz Wirth gegen Christopher Piotrowsky zu verrichten. Auch hier drehte sich die Partieanlage um einen Isolani, diesmal allerdings einem schwarzen auf d5. Für diesen hatte Heinz das typische aktive Figurenspiel erhalten. Als ein schwarzer Springer auf d2 auftauchte, durchaus ja nicht alltäglich, durfte man sich zunächst fragen, ob sich dieser wegen einer Fesselung nicht dort „verirrt“ hatte – mitnichten, wie sich im Kopf des Betrachters schnell zeigte, denn eben diese Fesselung hätte Weiß die Dame gekostet. So gewann Heinz nur einen Bauern, den Heinz dann technisch sicher im Endspiel zum Sieg verwertete.

Noch länger musste Reinhard Giese arbeiten, um gegen Martin Kunze die „1“ notieren zu dürfen. In einer Königsindischen Partie übernahm Reinhard im Mittelspiel das Kommando und konnte eine Qualität gewinnen. Den gefährlichen Freibauern auf a2 konnte Martin zwar beseitigen, aber das entstandene Endspiel, Läufer und 4 Bauern gegen Turm und 2 Bauern, bot nur auf den ersten Blick für Weiß Remischancen. Mit präziser Technik führte Reinhard seine Figuren zum Sieg.

Doch auch in der Arena wurden interessante, spannende und kuriose Partie gespielt. Das mit Spannung erwartete Duell der beiden Talente Josef Gelman und Bogdan Piskaykin endete recht unspektakulär Remis, nachdem ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern entstanden war. Dahingegen wurde z. B. in der Partie der beiden Veteranen Dr. Akbar Nuristani versus Abram Goltsman mit offenen Visier gekämpft. Beide Könige standen entblößt, doch erwies sich am Ende der weiße König als offener, so dass Schwarz den Punkt notieren durfte. Ebenfalls viel beachtet waren die Duelle an den Brettern 38 und 39, wo die erfahrenen Wolfgang Geist und Rainer Radloff (beide seit fast 40 Jahren Mitglied bei der WEISSEN DAME) gegen die Nachwuchsspielerinnen Anna Gutmann und Sonia Kriuckova antraten. Während Wolfgang seine Aufgabe lösen konnte, kam bei Rainer eine Figur abhanden. Trotz langer Gegenwehr musste er schließlich seiner erst 8-jährigen (!!) Gegnerin die Hand zur Aufgabe reichen.

Jung gegen alt - 1:1 [Foto: TG]

Ebenfalls spektakulär verlief die Partie von "Jogi" Jörg Francke. Während er mit den weißen Steinen Spiel am Damenflügel initiiert hatte, setzte sein gegnerischer Namensvetter Jörg Fuchs auf Königsangriff. Jogi’s König schien gefährdet, doch hingen beim Schwarzen auch viele Figuren. In der Zeitnotphase verlor der schwarze Jörg hier den Durchblick; von einem lakonischen „Das geht nicht!“ begleitet, nahm Jogi die ungedeckte schwarze Dame, woraufhin umgehend resigniert wurde. Die letzte Partie des Tages spielten Marc Rüther und (schon wieder) Wolfram Steiner. Hier schien es lange so, als ob Wolfram, mit einem Mehrturm sicher zum Sieg kommen sollte. Doch mitnichten, Marcs Freibauern wirkten am Ende so einschüchternd, dass sich Wolfram zur Rückgabe des Materials entschied und in ein remises Endspiel abwickelte.

Die längste Partie des Tages ausgangs der Eröffnung [Foto: TG]

Ein Blick nach vorne: In der 7. Runde muss Ulf (5,5 Punkte) seinen Spitzenplatz gegen Reinhard (5 Punkte) verteidigen, in Lauerstellung liegen noch drei weitere Spieler mit 5 Punkten, die bei einem Ausrutscher ganz vorne landen könnten, nämlich Dr. Heinz Wirth und Eduardo Olivares, die gegeneinander antreten werden, sowie Dr. Matthias Budt, der allerdings gegen Hendrik Möller, die Nummer 2 der Setzliste, antreten muss. Ebenso spannend dürfte das Fernduell zwischen Heinz Wirth und Hendrik Möller werden, in dem sich entscheidet, wer sich für den "Platz an der Sonne" in der A-Gruppe der Clubmeisterschaft qualifiziert.*

(* Bemerkung des 1. Vorsitzenden:  Ja, so stark ist die A-Gruppe besetzt! Wer sich übrigens noch anmelden möchte (auch für die anderen Gruppen), kann an dieser Stelle alle weiteren Informationen erhalten.)

Ein Blick auf die Ratingpreise: Beim Preis TWZ <2000 darf sich derzeit mit 4,5 Punkten Erwin Weber die größten Hoffnungen auf den ersten Platz machen, im Rennen sind aber auch noch einige Spieler mit 4 Punkten, hierunter u. a. Thomas Heerde, Jörg Francke und Collin Costello. 3,5 Punkte sind nötig, um in der Kategorie TWZ <1700 oben zu notieren, diese Punktanzahl weist einzig der SF Matthias Eichhoff auf. Spannend dürfte es beim TWZ <1400-Preis werden, hier notieren die Schachfreunde Sonia Kriuckova und Ronald Hackenberg bei 2 Punkten und führen das Feld an.


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