"Die Kather-Stimmung vor Sylvester ..."

... und andere Beobachtungen und Gedanken zum abgeschlossenen Winter-Open in Pankow trägt dieser kurze Neujahrs-Beitrag zusammen.


Autor: Johannes Stöckel


Vier Spieler unseres Vereins (s. vorherigen Artikel) nahmen am 9. Internationalen Winter-Open teil. Und das Turnier wird seinem Namen von Jahr zu Jahr mehr gerecht. Nicht ohne Stolz bilanzierte Veranstalter SC Zugzwang 95 mit 178 Teilnehmern 20 verschiedener Nationalitäten neue Rekorde und die Räumlichkeiten im Pankower Rathaus boten einmal mehr einen würdigen Rahmen mit schöner Atmosphäre.

Vergleichsweise hoch war auch die Leistungsstärke der Teilnehmer, was sich u.a. in der Anzahl der Titelträger ausdrückte: 1 GM, 1 WGM, 4 IM, 8FM. Und ich ertappte mich dabei, wie ich diese Schachgrößen gelegentlich besonders aufmerksam beobachtete, so als müsste ihnen ihr Genie ins Gesicht geschrieben sein. Der auf- und abgeklärte Schachspieler weiß freilich, dass dem nicht so ist, auch wenn genetische Faktoren maßgeblichen Einfluss auf die (maximal mögliche) Spielstärke haben.

Nein, vielmehr zeigte sich gerade, aber natürlich nicht nur bei den Titelträgern viel (allzu) Menschliches, was übrigens einen Teil des Reizes eines solch intensiven, weil doppelrundigen (7 Runden in vier Tagen) Turnieres ausmacht. Da saß der IM nach einem Figurenverlust im Endspiel wie ein Häuflein Elend am Tisch, drehte in einer anderen Partie, nur noch vom Inkrement lebend, nervös Figuren zwischen den Fingern und wippte mit den Füßen, während sein ebenfalls zeitlich am Anschlag befindlicher Gegner, ein noch jugendlicher FM aus Tschechien, frustriert aus dem Spielsaal stürmte als schließlich und vermeintlich überraschend seine einzige verbliebene Option die Aufgabe war. Und der einzige GM des Turniers (er)sparte sich die Siegerehrung, denn die Preisränge hatte er glatt verfehlt. Zu den Höhepunkten des Turniers gehörte auch, wie ein 13jähriger Inder einen Oberliga-Spieler des amtierenden Berliner Mannschaftsmeisters im Endspiel geradezu vorführte. Der "kleine Tiger" wurde dafür mit der Bewertung "beste Partie des Turniers" ausgezeichnet.

Die Kather-Stimmung nunmehr könnte nach der letzten Runde verhalten positiv gewesen sein, doch genaues weiß ich nicht. Fakt ist, dass Yannick nach seinem Remis gegen WGM Niina Koskela aus Norwegen in der letzten Runde rein sportlich gesehen eine positive Bilanz ziehen konnte (womit nun auch der letzte begriffen hat, wer "Kather" und was "Stimmung" ist ... ). Auch bei den anderen drei Teilnehmern unseres Vereins war die Bilanz vor der Schlussrunde durchschittlich, wobei Johannes ergebnistechnisch erst am 3. Tag richtig ins Turnier fand, dann aber eine gute Kondition bewies, obwohl die 7. Partie durch Übersehen einer taktischen Wendung verloren ging, was zu einer leicht negativen Bilanz führte. Thomas wiederum setzte in der 7. Runde den bereits erwähnten, jungen FM ordentlich unter Druck und erzielte ein mehr als verdientes Remis. Sein Gegner trug es diesmal mit Fassung. Colins Punkteteilung gegen einen talentierten Jugendlichen aus Kreuzberg bedeuteten am Ende auch insgesamt eine ausgeglichene Bilanz.

Persönliches Fazit: Wer über die Kondition für zwei Partien an einem Tag verfügt und es vielleicht eher als befreiend empfindet, dass eine systematische Vorbereitung auf neue Gegner unmöglich ist, dem seien doppelrundige Turniere und speziell das einmal mehr ausgezeichnet organisierte und geleitete Winter-Open in Pankow wärmstens empfohlen. Mehr intensives Schach-Erleben geht eben einfach nicht ...


Kontakt/Impressum

administration